So war es damals – so ist es heute

«Weisst du noch» …. Ist eine Frage, auf die häufig unglaubliche Geschichten folgen. Auf den Spuren unserer Unternehmensgeschichte sprachen wir mit einem pensionierten und zwei aktiven Keramikgiesser über vergangene und aktuelle Zeiten in der Giesserei.  

Goran Jankovic, René Mosser und Herbert Dedaj (v.l.n.r.) sprachen mit uns über vergangene und aktuelle Zeiten in der Keramikgiesserei.

Zu unserem Interview «So war es damals – so ist es heute» luden wir einen pensionierten und zwei aktive Vorarbeiter aus der Giesserei ein. René Mosser arbeitete von 1973 bis zu seiner Pensionierung Ende 2013 für uns, Herbert Dedaj ist seit 1998 im Unternehmen tätig und Goran Jankovic trat 2003 seine Lehre als Industriekeramiker an und arbeitet heute ebenfalls als Vorarbeiter in der Giesserei.

Sowohl bei der Begrüssung als auch auf dem nachfolgenden Rundgang durch die Produktionshallen fiel uns auf, wie freundschaftlich sich die Arbeiter begegnen. Aus allen Ecken erschallte ein freudiges «Hallo» oder «Bonjour» und manch einer eilte zu René Mosser, um ihm herzhaft auf die Schultern zu klopfen und sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Als Aussenstehender hatte man das Gefühl, einem grossen Familientreffen beizuwohnen. Entsprechend harmonisch gestaltete sich auch das nachfolgende Gespräch über vergangene und aktuelle Zeiten in der Giesserei.

 

 

 

Welche Anforderungen wurden damals und heute an einen Keramikgiesser gestellt?

RM: «Ich arbeitete als Industriemechaniker, als Keramik Laufen begann, im Elsass Mitarbeiter zur rekrutieren. Weil meine Brüder bereits eine Anstellung im Unternehmen hatten, entschloss auch ich mich für den Wechsel. Während den ersten drei Monaten wurde ich als Keramikgiesser für die Stand-WCs angelernt. Für mich war alles neu. Die Materie, die präzise Genauigkeit und vor allem die Wärme in den Produktionshallen.

HD: «Heute dauert die Anlernzeit zum Keramikgiesser, je nach Produkt und Modell, mindestens zwei Monate. Nach etwa einem Monat ist der neue Mitarbeiter auf sich alleine gestellt. In unserer Abteilung arbeiten wir leistungsbezogen und verwenden ein Punktesystem. Ein neuer Mitarbeiter beginnt mit 8 Stück pro Tag, erfahrene Mitarbeiter giessen während der gleichen Zeit bis zu 72 Stück. Ein Keramikgiesser muss erst einmal die Qualitätsanforderung erfüllen. Wenn diese stimmt, kann er auch die Quantität steigern. Das Handwerk, das man bei uns lernt, hat man entweder im Gefühl oder nicht. Jedes gegossene Stück verfügt über eine eigene Dynamik, über mehr oder weniger Trockenheit und Volumen. Das kann eine Maschine nicht erkennen».

 

Wie sah früher / sieht heute der typische Arbeitsalltag eines Keramikgiessers aus?

RM: «Früher arbeiteten wir 9 Stunden pro Tag, 45 Stunden in der Woche. Die Pausen waren durch den Produktionsrhythmus gegeben. Für das Mittagessen hatten wir jeweils eine Stunde Zeit. Zu meiner Zeit machten wir von A bis Z alles selber. Es gab es noch keine Eingiesser oder Transporteure. Alle Arbeitsschritte wurden von einem einzigen Mitarbeiter durchgeführt. Damals waren wir vierzig Mitarbeiter in der Halle 4. Jeder von uns goss im Schnitt 17 Stand-WCs pro Tag. Auch die Qualitätssicherung hat sich verändert. Seinerzeit prüften wir die gegossenen Stücke aus ca. ein Meter Entfernung. Wenn wir nichts feststellten, war es ok. Heute wird auch schon mal die Lupe hervorgeholt».

HD: «Aktuell arbeiten wir 8,4 Stunden pro Tag, 42 Stunden in der Woche. Um 5 Uhr morgens beginnen fünf Eingiesser, einer in jeder Halle. Um 7 Uhr stossen die anderen 45 Mitarbeiter dazu. Jeder Eingiesser arbeitet in einer Halle und ist für 4 Reihen mit je 36 Formen zuständig. Er schliesst die Formen und füllt sie mit Schlicker. Danach folgt der Giessvorgang und zum Schluss das Bereitstellen für die weiteren Arbeitsschritte. Diesen Vorgang führen wir einmal um 5 Uhr morgens und – je nach Modell – noch einmal um 9 oder 10 Uhr durch. Auch heute passen wir unsere Pausen dem Produktionsprozess an. Dies aus dem einfachen Grund, weil die gegossenen Stücke nicht lange unbehandelt bleiben dürfen. Denn sonst bilden sich Risse und das Stück wird unbrauchbar. Ich sehe jedem Stück an, ob es zu lange nicht bearbeitet wurde. Keramikgiessen ist ein Handwerk, in dem man nicht mogeln kann. Für den persönlichen Anreiz führen wir ein Prämiensystem. Früher basierte dieses auf der Stundenbasis, heute auf der Anzahl gegossener Stücke und Qualität. Mit diesem System können die Giesser pro Monat bis zu 550 Franken hinzuverdienen. Zur Qualitätskontrolle gehören auch tägliche Sitzungen vor dem Brennofen, bei denen wir fehlerhafte Stücke besprechen. Jeder Arbeiter hat einen Stempel, mit dem er die von ihm gegossenen Stücke versieht. So wissen wir immer, welches WC von wem, an welchem Tag, zu welcher Zeit und mit welcher Formnummer gegossen wurde».

 

Mit welchem Produktionsverfahren arbeiteten Sie damals, respektive arbeiten Sie heute?

Alle: «Ursprünglich wurden alle Stücke von Hand gegossen. Danach folgte das Giessband, an dem vor allem die schweren körperlichen Arbeiten maschinell ausgeführt wurden. Später wurde der Druckguss eingeführt, dank dem die Stücke deutlich schneller zur Weiterverarbeitung bereitstehen.

 

René Mosser in jüngeren Jahren bei der Arbeit. «Weil es in den Hallen so warm ist, standen wir früher auch schon mal mit offenen Sandalen oder gar barfuss vor dem Giessband.»

Gab/gibt es spezielle Sicherheitsvorkehrungen und Vorschriften die im Alltag zwingend zu beachten waren/sind?

RM: «Weil es in den Hallen so warm ist, standen wir früher auch schon mal mit offenen Sandalen oder sogar barfuss vor der Giessband. Knieschoner habe ich mir zu Hause selbst gebastelt. Und in der ganzen Produktion wurde geraucht. In der Kantine konnten wir Zigaretten, Schokolade und Bier kaufen. Während sechs Monaten wurde Feldschlösschen verkauft, während den anderen sechs Monaten Cardinal».

HD: «Heute sieht das ganz anders aus. Sicherheitsschuhe sind Pflicht. Staubmasken und Schutzbrillen müssen getragen werden. Rauchen darf man auch noch. Aber nur noch dort, wo die Kaffeemaschinen stehen. Zu diesem Thema haben wir unsere eigene Philosophie. Wenn ein Raucher nicht rauchen darf, wird er nervös und ist gestresst. Das hat auch Einfluss auf die Produktqualität. Deshalb erlauben wir es an den dafür vorgesehenen Orten. Ein guter Vorabeiter sieht und spürt, wie es jemandem geht, ob er gut oder schlecht geschlafen hat oder ob er krank ist. Das gehört zu auch zu den Sicherheitsvorkehrungen in einem Betrieb. Und nur so können wir uns untereinander aushelfen.  

 

GJ: «Ich machte meine Lehre in diesem Betrieb. Die Emotionalität, die Herbert anspricht, habe ich von Anfang an miterlebt und habe sie mir im Laufe der Zeit auch angeeignet. Ich fühle eine grosse Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. Wir sind hier wie eine Familie. Das «Gspüri» für die Menschen kommt alleine durch die Praxis. Wir lehren unsere Mitarbeiter, zeigen ihnen alles und geben ihnen genügend Zeit, um das Erlernte umzusetzen. Unser Team besteht aus unterschiedlichen Nationalitäten und Sprachen, entsprechend vielseitig sind auch die Mentalitäten. Auch dafür braucht es feine Antennen».

 

Was gefiel / gefällt Ihnen am Beruf „Keramiker“ / Was weniger? Warum?

RM: «Ich hatte immer Arbeit und meine Pension ist sehr gut». Die «Lüpferei» und die Wärme gefielen mir damals nicht. Auch das Wechseln der Formen war sehr anstrengend».

HD: «Ich bin sehr froh und stolz, dass ich in einer solchen Weltfirma arbeiten darf. Davon lebe ich. Was mir nicht gefällt ist der Staub, der bei der Arbeit anfällt. Wir sind jetzt aber daran, dieses Problem zu lösen».

GJ: Ich arbeite sehr gerne mit der Materie. Überhaupt gefällt mir die Keramik und ich freue mich immer auf die neuen Modelle. Ich finde es spannend zu verfolgen, wie sich alles verändert und die Arbeit in unserem Team macht mir grossen Spass. Was mir nicht so gefällt ist das Wechseln der Formen. Nach 80 bis 100 Durchläufen muss eine Form gewechselt werden. Das ist sehr anstrengend, aber auch das muss gemacht werden.

 

Welches Erlebnis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Alle: «Die Weihnachtsessen mit der gesamten Belegschaft waren immer sehr toll».

 

Wie würden Sie den Beruf „Keramiker/in“ gegenüber jungen Schulabgänger/innen, die sich für einen Handwerksberuf interessieren, anpreisen?

RM: «In diesem Beruf gibt es immer Arbeit».

HD & GJ: «Es ist eine spannende Arbeit, es wird einem nie langweilig und der Beruf ist gefragt».

 

Herr Mosser, Sie sind seit drei Jahren pensioniert. Welche Änderungen/Neuerungen fielen Ihnen heute beim Betreten der Produktionshalle – im Vergleich zu 1973 - als erstes ins Auge?

RM: «Mir fällt auf, dass es weniger körperliche Arbeit gibt. Das ist sehr viel wert»!

 

Interessiert erkundigte sich der Pensionär René Mosser, was es Neues aus der Produktion zu berichten gibt.

Sprach man in den 70er, 80er Jahre auch schon von Trends? Wenn ja, an welche Trends können Sie sich erinnern?

RM: «In den 70er Jahren produzierten wir einfach WCs. Wir gossen jahrelang die Standard-Modelle Suprema und Moderna. In den 80er und 90er Jahren fingen wir mit der Produktion der Bidets und mit etwa vier unterschiedlichen Waschtisch-Modellen an. In dieser Zeit kam das WC im Porsche-Design hinzu.

Sie haben 1982 die Einführung des Druckgusses miterlebt. Wie hat sich der Arbeitsalltag damals durch das Verfahren verändert?

RM: «Ich habe nie im Druckguss gearbeitet. Einer unserer Ingenieure konstruierte und baute die Druckgussanlage. Ursprünglich war sie eigentlich für die Seifenschalenproduktion vorgesehen. Aber sie wurde relativ rasch für die Produktion der grossen Modelle weiterentwickelt. Nein, ich war immer in der Giesserei. Als das Giessband kam, wechselte ich erst in die Fertigung und danach an das Giessband, wo ich Schicht arbeitete.

 

1999 wurde die Keramik Laufen AG von Roca übernommen. Wie erlebten Sie die Übernahme? Hat sich dadurch etwas im Arbeitsalltag verändert?

RM & HD: «Wir waren froh, dass die Fabrik nicht geschlossen wurde. Zum Glück wurden keine Arbeiter entlassen. Im Gegenteil, nach der Übernahme durch Roca lief das Geschäft so gut, dass wir sogar noch mehr Arbeiter anstellen mussten».

 

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