Stringentes Denken und uneingeschränktes Erforschen - im Gespräch mit Konstantin Grcic über die Zusammenarbeit mit Keramik Laufen.

 

Wie und wann ist die Zusammenarbeit mit Keramik Laufen zustande gekommen?

Konstantin Grcic: Der Kontakt ist über Toan Nguyen entstanden. Im Oktober 2013 fand ein erstes Treffen in Keramik Laufens Hauptsitz und in einem der Werke mit Marc Viardot, dem Director Marketing and Products, und Alain Reymond, dem Product Manager für Vitreous China statt. Es war das erste Mal, dass ich die Herstellung dieser Art von Keramik gesehen habe. Ich hatte zwar bereits Erfahrung mit Keramik gemacht – bei meiner Arbeit für Rosenthal und Nymphenburg – jedoch in viel kleineren Dimensionen. Keramik Laufens Produkte sind nicht nur grösser, sondern werden auch in industriellem Umfang gefertigt. Das ist sehr beeindruckend. Das Briefing liess mir einige Freiheit, lieferte aber eine gewisse Struktur für die Vorgehensweise, was sehr hilfreich war. Von Anfang an ging es um konkrete Themen – um den Werkstoff mit seinen Eigenschaften und Grenzen. Keramik Laufens technische Produktentwicklungsteam war sehr offen und teilte seine immens wertvollen Fachkenntnisse mit uns. Wir waren uns alle einig die Herausforderung zu suchen, nichts sollte ausgeschlossen werden.

Was war für Sie an der Zusammenarbeit mit Keramik Laufen interessant? Die Art, wie die Unternehmenskultur Kreativität fördert? Oder die schöpferischen Möglichkeiten, die SaphirKeramik eröffnet?

Die Aussicht, mit SaphirKeramik einem neuen, sehr innovativen Werkstoff arbeiten zu können, machte das Projekt natürlich besonders spannend. Technologie begeistert mich immer! Sanitärkeramik ist ein klassisches Industriedesign-Produkt und die Chance, ein neues Material in einem so traditionellen Bereich zu erforschen, dürfte ziemlich einzigartig sein. Keramik Laufen war für mich aufgrund seiner Unternehmenskultur und Qualität interessant. Die Marke hat ein ausgezeichnetes Image, doch letztlich sind für mich die Personen ausschlaggebend. Selbst die Tatsache, dass Keramik Laufen ein Schweizer Unternehmen ist und damit nicht weit von München entfernt liegt, hat sich als vorteilhaft ergeben. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass sich eine gemeinsame Sprache und gute gegenseitige Erreichbarkeit positiv auf jede Zusammenarbeit auswirken.

 

Wie fanden Sie die Arbeit mit SaphirKeramik? Hat sie ihre eigene Formensprache?

Die grösste Herausforderung bestand darin, die wesentlichen Eigenschaften der SaphirKeramik in unserem Projekt herauszuarbeiten. Ihre Schlüsselelemente – ihre Präzision, die geringen Wandstärken und engen Radien – stellten uns vor interessante Herausforderungen. Wir machten Versuche in verschiedene Richtungen, doch die entscheidende Wendung lag darin, in die Oberfläche zu gehen und sie mit fein definierten Strukturen zu versehen. Diese taktilen Oberflächen und Muster dienen sowohl der Dekoration als auch der Funktionalität. Sie verhindern, dass darauf abgelegte Gegenstände wegrutschen oder Flecken hinterlassen. Was die Formen der Objekte anging, so sollten sie einfach, funktional, eher architektonisch und nicht zu expressiv sein.

 

Hat die SaphirKeramik Sie zur Entwicklung von anderen Produkten inspiriert?

Ja, durchaus. Das war bereits Teil des Briefings und etwas, das wir schon mit dem Entwurf zweier Tabletts umgesetzt haben. Diese Tabletts sind einfache, bewegliche und nicht fest eingebaute Elemente. Sie stammen aus einer anderen Welt, die ich gut kenne – die des Tafelgeschirrs und der Accessoires – während die Welt von Keramik Laufen eng mit Architektur und Installationen verknüpft ist. Die SaphirKeramik war eine echte Inspiration für diese Objekte. Wir glauben, dass das Material und Keramik Laufens Fachkenntnis eine ganze Reihe von Dingen hervorbringen wird, die zur Welt des Badezimmers passen.

 

Würden Sie den kreativen Prozess für Ihren Entwurf erläutern?

Eine sehr wichtige Phase dieses Prozesses ist intellektueller Art. Sie geht jeder Anfertigung von Zeichnungen und Modellen voraus. Der Besuch bei Keramik Laufen, zu sehen, was die Firma macht und wie sie es macht, die Leute kennenzulernen – daraus entsteht die Basis für alles Folgende. Dann habe ich die vielen Informationen verarbeitet, sie in eine sinnvolle Ordnung gebracht und meine eigenen Schlüsse gezogen. Ab diesem Zeitpunkt kam meine Assistentin Charlotte Talbot zum Projekt hinzu. Wir diskutierten die ersten Ideen, woraus die ersten Zeichnungen und Modelle entstanden. Die Recherche macht einen grossen Teil unseres kreativen Prozesses aus. In diesem Stadium will man offen sein, sehr aufnahmebereit für alles, was relevant oder wichtig sein könnte. Deshalb schaut man sich alles Mögliche an: Wir betrachteten keramische Gefässe und ihre Proportionen. Wir achteten auf die taktilen Eigenschaften der Gegenstände, nicht nur auf ihre funktionalen Aspekte. Nehmen wir dieses Glas Wasser in meiner Hand. Die meisten Trinkgläser erfüllen eine ähnliche Funktion, aber wodurch unterscheidet sich eins vom anderen? Dadurch, dass es sich besser anfühlt, eleganter ist, dass die Proportionen oder das Gewicht zu stimmen scheinen. Das gilt auch für Waschtische die nicht einfach nur zum Händewaschen da sind. Im Zuge eines kreativen Prozesses geschehen viele Dinge gleichzeitig. Es ist eine intensive, aber sehr lehrreiche Phase, ein Erforschen von fast allem, was bei dem Projekt eine Rolle spielen könnte. Als Designer können wir auf bestimmte Erfahrungen zurückgreifen, und doch ist es uns am wichtigsten, die Dinge ganz unvoreingenommen zu betrachten.

 

Inwiefern haben Ihre Entwürfe Keramik Laufen vor technische Herausforderungen gestellt?

Die Oberflächenstrukturen zu kreieren ist eine enorme technische Aufgabe: die richtige Dimension für diese Strukturen zu finden, die genauen Definitionen und perfekten Abmessungen. Wie tief, wie konturiert, scharf oder weich sollen sie sein?

 

Ihre Entwürfe waren 2014 auf der Mailänder Möbelmesse, der Art Basel, Design Miami, der Belgrader Designwoche, beim London Design Festival und beim Designers‘ Saturday in Langenthal als Keramik-Prototypen zu sehen – welche Vorteile boten sie gegen über Prototypen aus anderen Materialien?

Keramik-Prototypen sind praktisch das echte Produkt. Sie zeigen alle spezifischen Aspekte des Materials, der SaphirKeramik. So konnte man sich einen vollständigen Eindruck von jedem Objekt verschaffen – seiner Proportion und Form, der Lichtflexion, dem taktilen Charakter, der haptischen Wahrnehmung. Keramik-Prototypen sind wahrer Luxus. Wir hatten uns von SaphirKeramik feinere Details und engere Radien versprochen und bekamen die sichtbare Bestätigung. Erst an den Keramik-Prototypen lässt sich erkennen, wie sich das Material letztlich verhält und wie edel und schön die schlanken Wandungen und feinen Radien sind.

 

Hatten Sie danach noch den Wunsch, Änderungen an den Prototypen vorzunehmen – etwa aus kommerziellen oder ästhetischen Gründen?

Die Prototypen wurden bei der EuroBagno auf der Mailänder Möbelmesse 2014 gezeigt. Seitdem haben wir eigentlich jedes Stück überarbeitet, das ist der natürliche Ablauf solcher Projekte. Wir haben einige der Strukturen und bestimmte Formen der Prototypen beibehalten. Andere wurden vor allem mit dem Ziel der Vereinfachung stärker verändert – nicht so sehr aus kommerziellen Gründen, sondern eher als Resultat eines Lernprozesses und hinzugewonnener Einsichten. SaphirKeramik ist ein neues Material, und sowohl Keramik Laufen als auch ich selbst mussten schrittweise ein Verständnis für seine Eigenschaften und die darin liegenden Möglichkeiten entwickeln. In der zweiten Phase unserer Zusammenarbeit entstand eine realisierbare Produktlinie, in die dann auch kommerzielle Erwägungen einflossen. In einem Badezimmer sind die Produkte nicht isoliert, sondern als Teil der gesamten Einrichtung zu sehen. Insofern gilt für Badmöbel: Je einfacher, desto besser.

 

Hat das Erleben der Prototypen Sie zum Entwurf weiterer Stücke inspiriert – oder für andere künftige Keramik Laufen-Projekte?

Ja, wir arbeiten bereits an verschiedenen neuen Designs im Stil der vorhandenen Produkte, die das Angebot ergänzen sollen. Nach der Mailänder Möbelmesse habe ich eine freistehende Badewanne entworfen, die wir auf der Frankfurter Sanitärmesse ISH 2015 präsentierten. Sie besteht aus «Sentec», Keramik Laufens Mineralgusswerkstoff. Das Material erlaubt Entwürfe mit recht dünnen Wandungen und passt damit perfekt zu den Produkten aus SaphirKeramik.

 

Zu den Produktdetails Serie Val

 

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